Aufbauphase

 
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Aufbauphase

 

Unzweifelhaft war nach diesen Ereignissen der Zeitpunkt gekommen, Strukturen aufzubauen, Telefonnummern bekanntzugeben, Unterrichte zu erteilen und Kollegen auf den Feuerwachen über Unterstützungsangebote zu in­formieren. Meine Erfahrungen und Eindrücke als Einsatzleiter, als Kollege, als OPEN-TEAM-Mitglied und inzwischen als Fachberater für Psychotraumatologie möchte ich dem Leser in diesem Buch vermitteln.

 

Es spiegelt Fachwissen und Erlebnisse über humorvolle, gewohnheitsgemäße und schockierende Einsätze im Alltag von Feuerwehr und Rettungsdienst wider. Es kann möglicherweise den Umgang mit Kolleginnen und Kol­legen, besonders in der Verarbeitung seelischer Belastungsprozesse, erleichtern.

 

Es möchte anregen, den inneren Kräften zu vertrauen und zu einem Miteinander ermutigen, in dem Vertrauen, die Kameradschaft und das Mitfühlen nach belastenden Krisensituationen einen wert- und respektvollen Platz finden.

 

Dieses Buch ist mein persönlicher Erfahrungsbericht, jenseits von Dienstanordnungen, Krankentransportberichten und Eigentherapie. Ich habe es nicht als Lehrbuch geschrieben, auch wenn einzelne Elemente möglicherweise zu Unterrichtszwecken verwendet werden können. Es möchte über Tatsachen informieren und Kollegen eine Hilfe zur Selbsthilfe öffnen. Es möchte Betroffene ermuntern, die bisher nicht den Mut und/oder vertrauenswürdige Gesprächspartner fanden, über Belastungen zu reden und bei Bedarf Fachkräfte aufzusuchen. Auftretende Belastungssymptome nach ex­tremen Einsätzen sind natürliche Reaktionen. Verrückt sind die Ereignisse, nicht meine Feuerwehrkollegen.

 

Das Buch möge Begleiter sein und Nachschlagewerk für meine Mitstreiter, die Einsatzkräfte betreuen. Es erhebt nicht den Anspruch, ein Lösungskatalog für alle anstehenden Probleme zu sein. Es möchte den Alltag informativ für Wissbegierige, Neugierige und für diejenigen wiedergeben, in deren Köpfe durch Unkenntnis und Vorurteile eine unrealistische Vorstellung vom Berufsalltag bei Feuerwehr und Rettungsdienst besteht.

 

Dieses Buch kann ein Denkanstoß sein für Politiker und auch für Führungskräfte in den eigenen Reihen, die in eher rationalen Vorstellungen verharren, und soll ermuntern, kommunikative und finanzielle Unterstützung in diesen Bereich der Feuerwehrarbeit zu investieren. Es soll Psychologen, Psychiatern, Fachberatern, Ärzten, Seelsorgern eine Möglichkeit bieten, die Arbeit von Rettungsassistenten und Feuerwehrangehörigen besser zu verstehen, sich mit Verhaltensmustern und -auffälligkeiten auseinanderzusetzen, um mögliche Diagnosen zu stellen oder kritisch zu hinterfragen.

 

Dieses Buch ist für mich eine Verschnaufpause auf dem erfrischenden, belebenden, frustrierenden und erfüllenden Weg im Umgang mit Kollegen und belastenden Einsätzen. Meine Gedanken und Fortbildungen finden kein Ende. Ich bin dankbar für Kritik, Lob und Anregungen. Was ich schreibe, ist nichts Neues, aber ich formuliere es mit Distanz und Abstand zu den Ereignissen, um es näher und deutlicher nachzuzeichnen.

 

Ich möchte laienverständlich schreiben und nicht mit Fachausdrücken imponieren. ‚Die gleiche Sprache sprechen’ und ‚intensives aktives Zuhören’ sind wesentliche Auf-Bausteine meiner Arbeit. Einige Akademiker, Fachfrauen und -männer in den Betreuungsfeldern vermitteln ihr fundiertes Wissen oftmals wie ein Sprungkissen, das sich beim Einsatz aufbläht und vom Boden abhebt. Ich möchte lieber auf der Ebene verständlicher Tatsachen bleiben.

Meine Ausführungen sind Gedankenangebote und meine Eindrücke sind Teil meines Lebens, Teil meiner Vergangenheit. Ich bin Berater und Feuerwehrkollege. Kein Therapeut. Was gut für mich ist, muss nicht zwangsläufig für meine Kollegen brauchbar sein. Nicht alle Formen der Selbstheilung, Supervision und Therapie sind für Feuerwehrangehörige geeignet. Das Menschliche, das Verständnis, die inneren Ressourcen können viel wertvoller und erfolgreicher sein. ‚Kollegiale Unterstützung’ gibt Energie und Kraft zum Auftanken.

 

     

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