Pionierarbeit

 
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Pionierarbeit eines Teams

 

Während ich diese Einsatzerinnerungen niederschreibe, stelle ich mir die Frage, wem ich mich nach einer solchen Erfahrung damals gerne anvertraut hätte. Wir Einsatzleute reden nicht über unsere Arbeit. Selten nur findet ein Gespräch untereinander über die Eindrücke und Emotionen eines Einsatzes statt. Wenn es – nach unserer Auffassung – für Ehefrauen und Partnerinnen erträglich ist, gehen wir mit unseren Erlebnissen auf sie zu.

Wir lernen schweigend zu verdrängen, lernen, dass es männlich ist, belastende Situationen alleine zu bewältigen. Die Worte eines Hauptbrandmeisters sickern in mein Nachdenken: „Wir sind hier bei der Feuerwehr und nicht beim Müttergenesungswerk! Stell dich nicht so an!“ Und er bot im gleichen Atemzug die Lösung an: „Junge, wenn es dich belastet, geh’ dir mal einen trinken!“

Solche und ähnliche Ratschläge prägten mich im ersten Drittel meiner mehr als 30-jährigen Tätigkeit bei der Berufsfeuerwehr Düsseldorf, ohne dass ich die Alkohol-Tipps konsequent umsetzte.

 Und da Indianer und Feuerwehrmänner zwar ein Beil mit sich tragen, aber keinen Schmerz kennen, schien es absurd zu sein, sich in dieser ‚unverwundbaren’ Haltung Erlebtes von der Seele reden zu dürfen. Für den freien Zugang wurden Türblätter und Seelen gleichzeitig gespalten.

Bedeutungsvoller wurde die Fragestellung der Einsatzreflexion für mich, als ich nach zwölf Jahren Rettungsdiensterfahrung und dem Aufstieg in den gehobenen Dienst als Führungskraft Verantwortung für meine Kollegen übernehmen sollte und wollte. 

Neben der Durchführung von Einsätzen nach feuerwehrtechnischen Grundprinzipien stellte ich mich daher Mitte der 90-er Jahre einer Aufgabe, die als ‚Umgang mit belastenden Situationen’ bezeichnet wird und die, mit unserer nahezu perfekten Verdrängungstechnik, vermutlich bei Hochwassereinsätzen mit dem Treibgut auf und davon schwamm oder sich an unüberwindbaren Dämmen zu stauen begann. Diese Thematik schien nicht in unsere ‚coole’ Gesellschaft zu passen, und sicherlich noch viel weniger in die ‚starke’ Männerwelt der Feuerwehr. Wir konnten uns eher über den achtundzwan­zigsten Diätanlauf austauschen oder über den neunten Versuch, das Rauchen aufzugeben.

     

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